Beredtes Schweigen öffnet Plattform zum Gespräch

performance3
Nirit Sommerfeld bei ihrer Performance vor der Münchner Erlöserkirche

Das abgesagte Konzert am Freitag Abend hatte zur Folge, dass das Thema „Redeverbot für Israelkritiker“ endlich in Deutschland öffentlich gemacht wurde. Nachdem die Süddeutsche Zeitung in ihrer Freitagsausgabe ausführlich und sehr ausgewogen über die Münchner Vorgänge berichtet hatte, waren etwa 150 Menschen gekommen, um zunächst einer Performance von Nirit Sommerfeld vor der Kirche zuzusehen, in der sie im wahrsten Sinne Gesicht zeigte und unmissverständlich deutlich machte, sie sei „manchmal sprachlos“, doch „niemals mundtot“. Danach öffnete der Pfarrer die Kirchenpforten zum Gespräch und überließ zunächst dem Pianisten Michael Leslie, dann Nirit Sommerfeld und schließlich dem Publikum für Fragen das Mikrofon. Ein kurzer Bericht darüber findet sich in der Wochenendausgabe der SZ.

Die enorme Resonanz, hunderte von Solidaritätsbekundungen, auch Empörung über die Vorgänge in vielen Teilen der Gesellschaft zeigen uns: Über die Situation in Israel und Palästina muss endlich öffentlich debatiert werden (dürfen)! Wenn uns wirklich die besondere Verantwortung als Deutsche gegenüber Israel etwas bedeutet, wenn wir Antisemitismus Einhalt gebieten wollen, wenn uns Menschenrechte ebenso wichtig sind wie Freiheit, Demokratie und Sicherheit, dann müssen wir endlich aufhören, mit zweierlei Maß zu messen. Wir dürfen Israel als westlichen Partner nicht aus der Verantwortung entlassen, die der Staat gegenüber seinen seit bald 50 Jahren unter israelischer Militärregierung lebenden palästinensischen Einwohnern hat. Und die er im Übrigen auch seinen eigenen jüdischen Bürgern gegenüber hat, deren Sicherheit lediglich durch enorme militärische Überlegenheit – Israel gilt als viertgrößte Militärmacht der Welt – garantiert ist. Der Schaden, den die Besatzung innerisraelisch anrichtet, ist kaum ermesslich.

Nach der Beerdigung von Shimon Peres schrieb Gideon Levy in der israelischen Tageszeitung Ha’aretz zusammengefasst: „Am Freitag ist der Antisemitismus gestorben – zumindest sein Gebrauch als Rechtfertigung durch Israel. (…) Die Zeremonie für Peres hat gezeigt, dass die westliche Welt nichts lieber täte als Israel in ihre Reihen aufzunehmen. Ein Ende der brutalen Besatzung würde augenblicklich das Ende der Ächtung unseres Staates bedeuten. (…) An diesem Freitag gab die Welt ein äußerst klares, entschiedenes Statement ab: Wir lieben Israel und hassen seine Politik; wir sehnen uns danach, uns mit ihm zu verbünden und es zu bewundern — nur bitte gebt uns ein Zeichen, und wir werden Euch mit unserer Liebe überhäufen — mehr noch, als Ihr es verdient. Ihr werdet nicht mehr ausgeschlossen sein. (…)“. Hier ist der gesamte Artikel auf Englisch nachzulesen: shimon-peres-funeral

Wir von BIB sind sehr froh, dass der Skandal von München Türen zum Gespräch geöffnet hat. Aber jetzt geht es erst richtig los: Wir werden noch viel mehr Gespräche führen müssen mit Politikern und Entscheidungsträgern, mit Medien- und Kirchenvertretern sowie Vertretern der jüdischen Gemeinden, wir werden Schreiben verfassen und noch intensiver unserem eigenen Auftrag folgen, nämlich einen Wandel in der deutschen Politik zu erwirken, so wie wir es auf unserer Website beschrieben und in unserer Satzung festgelegt haben: Für die Beendigung der völkerrechtswidrigen israelischen Besatzung, für gleiche Rechte für Palästinenser und Israelis, für eine auf deutschen und europäischen Standards und Werten basierende Beziehung zu Israel mit all unserer gegebenen Verantwortung und als Partner auf Augenhöhe.

Für diese großen Aufgaben brauchen wir zahlreiche Unterstützer. Daher laden wir Sie ein: Werden Sie Fördermitglied! Werden Sie Teil unseres Bündnisses, damit wir uns gemeinsam für die Beendigung der israelischen Besatzung als ersten Schritt auf dem Weg zum Frieden stark machen können. Für einen Jahresbeitrag von 100 € (das sind 8,33 € pro Monat!) können Sie uns fördern und unterstützen! Den Antrag auf Fördermitgliedschaft können Sie einfach ausdrucken und ausgefüllt an uns senden oder mailen. So helfen Sie uns, unsere wichtige Arbeit fortzusetzen. Danke!