BIB Thema der Woche #32: Nachruf auf Reuven Moskovitz

Liebe Freundinnen und Freunde, 

nach einer fünfwöchigen Sommerpause möchten wir uns nun wieder wie bisher jede Woche mit unserem „Thema der Woche“ regelmäßig montags zu Wort melden.
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Ihr BIB Redaktionsteam


 

Unser Vorreiter, Mitstreiter und Freund Reuven Moskovitz ist tot. Der israelische Friedensaktivist, der seit jeher für eine Wende der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern kämpfte, sorgte bei uns in Deutschland durch das israelisch-palästinensische Friedensdorf Wahat-al-Salam / Neve Shalom, dessen Mitbegründer er war, für Aufsehen. Er lebte uns vor, wie Palästinenser und Israelis zusammen leben könnten, und er verwies immer wieder auf die wichtige Rolle Deutschlands im Zusammenhang mit Israel/Palästina.

Aus Rumänien stammend, besuchte Reuven Moskovitz sein Heimatdorf regelmäßig, half dort beim Aufbau von Kindergarten und Schule, gründete die Deutsch-Rumänische Gesellschaft. Auch nach Deutschland, wo er 1974 ein Jahr lang studiert hatte, kam er regelmäßig, um Vorträge zu halten oder zu musizieren und als Shoa-Überlebender zu mahnen vor Gewalt und Menschenrechtsverletzungen.


Im Alter von 81 Jahren reiste Reuven Moskovitz Ende September 2010 zusammen mit sieben jüdischen Aktivisten und zwei Journalisten auf dem kleinen Segler Irene Richtung Gazastreifen mit. Er hielt es für „eine heilige Pflicht, für mich als einen Überlebenden, gegen die Verfolgung, das Einsperren und Unterdrückung so vieler Menschen zu protestieren, einschließlich mehr als 800.000 Kinder in Gaza“. Die Irene, die unter britischer Flagge segelte, wurde von zehn Schiffen der israelischen Marine abgefangen und zum israelischen Hafen Aschdod abgelenkt. Ihre Mission konnte sie nicht in Gaza zu einem guten Ende bringen.

Mit einer Vision von einem ‚Friedensmuseum‘ wollte er Israelis, Palästinenser und Deutsche dazu anregen, einander über die vorgegebenen Muster ihrer Geschichte hinaus neu wahrzunehmen. Reuven Moskovitz wurde mehrfach für seine Friedensarbeit ausgezeichnet, u.a. mit dem Aachener Friedenspreis und dem Mount Zion Award. Am 4. August starb er 88-jährig im Kreise seiner Familie in Tel Aviv.


Video-Interview von 2016

Im Blog des ARD-Studios in Tel Aviv wurde ein 10-minütiges Interview veröffentlicht, das der BR-Korrespondent Sebastian Engelbrecht im Februar 2016 mit Reuven Moskovitz führte. Ab 4’40“ spricht Moskovitz dezidiert über die Rolle Deutschlands im Israel-Palästina-Konflikt.


Nachruf von Ekkehart Drost

Die letzte Publikation von Reuven Moskovitz wurde 2015 unter dem Titel Reuven Moskovitz. Ein Leben für Gerechtigkeit, Liebe und Versöhnung von Martin Breidert und Ekkehart Drost (beide BIB Mitglieder) herausgegeben.

Diese Schrift kann unter ISBN 978-3-00-049873-2 geordert werden.

 

Den Nachruf von Ekkehart Drost auf seinen Freund und Wegbegleiter können Sie HIER nachlesen.

 


Gedenkveranstaltung

Am kommenden Samstag, den 2. September findet ab 19 Uhr in der Berliner Gethsemanekirche eine Gedankveranstaltung für Reuven Moskovitz statt. Alle, die ihn schätzten und kannten oder die ihm die Ehre erweisen wollen, sind herzlich eingeladen, auch mit eigenen Beiträgen die Feier mitzugestalten. Nähere Einzelheiten dazu HIER.

Samstag, 2. September 2017, 19 Uhr
Gethsemanekirche

Stargarder Str. 77
10437 Berlin

(S+U-Bhf. Schönhauser Allee, Tram M1, 12)

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