BIB Thema der Woche #43: Wer profitiert von der Besatzung?

Seit bald einem Jahr berichten wir wöchentlich von den Ursachen und Folgen der israelischen Besatzung. Oft taucht die berechtigte Frage auf: Wie kann das sein, dass diese Besatzung und das ganze Unrecht, das mit ihr verbunden ist, nach über 50 Jahren immer noch anhält?

Mit dem heutigen Thema der Woche wollen wir darauf eine Antwort finden.


Wer hat was davon?

Wie im persönlichen Kontext, so ist auch in politischen Zusammenhängen klar: Wenn ein Zustand andauert oder sich sogar im Laufe der Zeit verstärkt und viel Leid auf einer Seite erzeugt, muss es eine andere Seite geben, die etwas davon hat, also in irgend einer Weise profitiert. Im Falle der israelischen Besatzung ist das auch nicht anders. Israel profitiert in vielerlei Hinsicht von der Besatzung: Der Staat gewinnt Land und Kontrolle durch Siedlungs- und Mauerbau und profitiert wirtschaftlich im eigenen Land sowie durch internationale Kooperationen. Dabei sind die Profite so enorm, dass die Beendigung der Besatzung rein wirtschaftlich gesehen nur eines wäre: dumm.


WhoProfits.org

Die hervorragend konzipierte, wissenschaftlich basierte, bestens recherchierte und ständig aktualisierte Datenbank (auf Englisch, Hebräisch, Arabisch und Spanisch) von Who Profits befasst sich damit, welche israelischen und internationalen Firmen kommerziellen Gewinn direkt und indirekt durch die kontinuierliche Besatzung von palästinensischem und syrischem Land erzielen. Dabei konzentrieren sich die Daten auf drei wesentliche Themen:

  1. Siedlungsindustrie: Siedlungsprodukte, Israelische Bautätigkeiten auf besetztem Gebiet und Dienstleistungen für die Siedlungen
  2. wirtschaftliche Ausbeutung: israelische und ausländische Kontrolle des Palästinensischen Eigenbedarfsmarkt sowie Ausbeutung von Produkten und Ressourcen aus den Besetzten Gebieten.
  3. Kontrolle über die Bevölkerung: private Sicherheitsfirmen, die Mauer und die Checkpoints sowie Spezialausrüstung und Dienstleistungen in den Besetzten Gebieten.
Dieses Menu findet sich in der Mitte der WhoProfits-Homepage. Ganz unten gibt es dazu eine kleine Gebrauchsanweisung

Außerdem finden sich unter NEWS aktuelle Beiträge wie derzeit z.B. über private Tourismusanbieter im Internet, die Reisen in Siedlungen anbieten, indem sie diese völkerrechtswidrig erbauten Siedlungen fälschlicherweise als „in Israel“ bewerben und ihnen somit einen legitimen Anschein verleihen.

Im SPOTLIGHT werden Sonderberichte darüber veröffentlicht, wie Gewinn aus der Besatzung geschlagen wird, etwa wie die Besetzten Palästinensischen Gebiete als Versuchslabor zum Testen neuer Waffen zur Zivilkontrolle genutzt werden, um sie anschließend auf internationalen Waffenmärkten als ‚im Krieg bewährt’ auszeichnen zu können.

Über die Anfänge, das Konzept, die Datenbank und deren Nutzer, die Fallstudien und die neuesten Ergebnisse erfährt man mehr unter ABOUT.


Kleine Gebrauchsanweisung

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, kann systematisch auf der Website von Who Profits vorgehen. Das funktioniert entweder durch Detailinformation aus den obengenannten drei Themengebieten oder über diese Suchmaske auf der Homepage:

Hier lassen sich mit wenigen Stichworten komplexe Informationen finden. Sie interessieren sich z.B. ganz allgemein dafür, ob es in Deutschland Firmen gibt, die von der Besatzung profitieren? Man braucht nur in der zweiten Zeile unter ‚International Presence’ und ‚Main Headquarters’ den Begriff ‚Germany’ auswählen, um 556 Suchergebnisse zu erhalten. Darunter findet sich u.a. der weltgrößte Zementproduzent HeidelbergCement aus der Berliner Str. 6 in 69120 Heidelberg, Deutschland.

Quelle aller Screenshots: http://www.whoprofits.org


Mehr zum Nachdenken

Auf der ersten von BIB initiierten Reise nach Palästina und Israel, die im Oktober diesen Jahres mit 15 Meinungsbildner*innen aus Deutschland und Österreich stattgefunden hat, gab es viele Begegnungen mit Politiker*innen, Aktivist*innen und Journalist*innen. Dass die Besatzung Fortbestand hat, weil sie so rentabel ist, weiß dort jede/r. Und so waren sich all unsere Gesprächspartner*innen einig: Ohne wirtschaftliche Nachteile, ohne einen gewissen Druck durch Israels Wirtschaftspartner gibt es für die israelische Regierung nicht den leisesten Grund, etwas an ihrer Besatzungspolitik zu ändern.

Die Forderung unserer Gesprächspartner*innen lautete daher: Deutschland und die EU müssen sich Israel gegenüber klar positionieren und wirtschaftliche Zusammenarbeit und politische Unterstützung an Bedingungen knüpfen, etwa: Wir liefern Euch gerne XYZ, wenn Ihr Euch an Völkerrecht haltet und umgehend Maßnahmen ergreift, um die Besatzung schrittweise zu beenden.

Seien auch Sie Teil einer Bewegung, die das Ende der Besatzung erwirkt! Schreiben Sie uns an info@bib-jetzt.de, Spenden Sie einmalig oder werden Sie Fördermitglied!

In diesem Zusammenhang sei auf das Buch von Shir Hever  „Die Politische Ökonomie der israelischen Besatzung“ hingewiesen.


Dass das Ende der Besatzung besser heute als morgen vorbereitet werden muss, steht außer Zweifel, wie Gideon Levy (hier bei unserem Treffen in der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv) bei seinem leidenschaftlichen Plädoyer fordert.

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