BIB Aktuell #4: Unterdrücker und Unterdrückte

New York Times – Kolumnist berichtet aus Hebron

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Quelle: Wikipedia Commons

Roger Cohen, seit 1990 bei der NY Times, berichtet in seiner Reportage aus Hebron (20. Januar 2018): „Die Besatzung der Westbank dauert ein halbes Jahrhundert an. (…) Juden kamen nicht dafür ins Heilige Land, dass sie die biologischen Metaphern des klassischen Rassismus, der ihre Verfolgung jahrhundertelang begleitete, nun auf ein anderes Volk anwenden. Aber die Ausübung überwältigender Macht korrumpiert.“

Dann beschreibt er die dortigen Verhältnisse: „Wenn es einen Endpunkt für die schreckliche Logik einer Besatzung gibt, (…) dann ist dieser Ort das historische Zentrum von Hebron.“ Dieses Zentrum ist eine Einöde, zum Schutz der militanten ca. 1.000 jüdischen Fanatiker vor den 200.000 palästinensischen Bewohnern. Cohen zitiert seinen Cousin, der dort Soldat war: „Du behandelst Familien so, wie deine Familie nicht behandelt werden sollte. So einfach ist das.“ Und Cohen bietet „Breaking the Silence“ in seiner Kolumne ein Forum. (Siehe auch deren neue Broschüre „Why I Broke the Silence?“)

In seiner neusten Kolumne (27. Januar 2018) lässt Cohen palästinensische Aktivisten zu Wort kommen, u. a. den Hebroner Issa Amro von „Youth Against Settlements“. Cohen bietet keinen Ausweg an (siehe dazu die Bewertung auf Mondoweiss). Er hofft, dass die Dinge besser werden, wenn Abbas, der seinen Frieden mit den israelischen Besatzern gemacht habe, abgewählt würde.  Aber Cohens Kolumnen zeigen jedenfalls, dass das Bewusstsein für das israelische Unrecht und die Untragbarkeit seiner Menschenrechtsverletzungen im US-amerikanischen – und speziell auch im jüdischen – liberalen mainstream angekommen sind.

Ein Buch, das dies ebenfalls zeigt, indem es aus Hebron berichtet: „Oliven und Asche“, herausgegeben von zwei US-amerikanischen Schriftstellern (u. a. mit einem Beitrag von Eva Menasse), Kiepenheuer & Witsch 2017.
Am eindrücklichsten legt unseres Erachtens das Buch von Ben Ehrenreich Zeugnis ab: „Der Weg zur Quelle. Leben und Tod in Palästina“ (Hanser Berlin 2017)

Weiterführende Links zu Hebron:
ZDF-Auslandsjournal (Juni 2017)
Bericht im Deutschlandfunk (Juni 2017)
Video von B’Tselem (September 2017)

 

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BIB Aktuell #3: Antisemitismusbeauftragte*r

Angemessene Reaktion auf das Verbrennen einer israelischen Fahne?

Der Deutsche Bundestag hat am 16. Januar die Bundesregierung aufgefordert, eine*n Antisemitismusbeauftragte*n zu berufen und zur Bekämpfung des Antisemitismus unter anderem „der weltweiten Bewegung ‚Boycott, Divestment, Sanctions‘ entschlossen entgegenzutreten“. Denn „Antisemitismus (…) nimmt mit dem Antizionismus und der Israelfeindlichkeit auch neue Formen an.“

Der Bundestag reagiert damit auf die Verbrennung einer israelischen Fahne am Rande einer Demonstration im Dezember 2017 in Berlin und unterstellt damit einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Kritik an Israels Politik und Antisemitismus. Diesen Zusammenhang unterzieht der Schriftsteller David Ranan in seinem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung vom 20. Januar einer kritischen Bewertung. Ebenso empfehlen wir zu diesem Thema den Beitrag von Prof. Neve Gordon (Ben-Gurion Universität Be’er-Sheva) im London Review of Books vom 4. Januar.

Umfragedaten zeigen, dass das Ressentiment gegen Juden in der deutschen Bevölkerung weit geringer ist als gegen Muslime (Antisemitismusbericht 2017, S.69). Umgekehrt wächst bei Muslimen das Ressentiment gegen Juden aus dem Zorn über Israels Politik und als Spiegelbild des Ressentiments der Mehrheitsbevölkerung (ebda., S.79ff.). Die Einrichtung des/der Antisemitismusbeauftragten wird dieses Gefühl der Muslime, nicht respektiert zu werden, nicht vermindern, sondern leider eher verstärken. Nötig wäre ein*e Antirassismusbeauftragte*r.

BIB Aktuell #2: Nirit Sommerfeld darf nicht im Münchner Gasteig sprechen

Meinungsfreiheit im Konflikt mit Israels Regierungspolitik

Unter dem Titel „Daheim entfremdet“ möchte Nirit Sommerfeld am 19. Februar im Münchner Veranstaltungszentrum Gasteig von der Rückkehr in ihr Heimatland Israel und der folgenden Rückkehr in ihre zweite Heimat Deutschland berichten. Dies lehnte der Gasteig jedoch am 12. Januar ab: „Aufgrund des Stadtratsbeschlusses der Landeshauptstadt München vom 13. 12. 2017“ gebe es „keine Möglichkeit, einen Raum speziell für diese von Ihnen geplante Veranstaltung zu vermieten“.

Nirit Sommerfeld ist Mit-Gründerin und Geschäftsführerin von BIB e.V. Sie wurde 2011 für Ihr Engagement für Völkerverständigung zwischen Palästinensern und Israelis mit dem Grünen Wanninger geehrt. Warum also darf „speziell“ sie im Gasteig nicht sprechen? Verrückterweise weil der genannte Stadtratsbeschluss gegen Antisemiten vorgehen möchte; insbesondere sei die BDS-Kampagne (Boykott israelischer Produkte) antisemitisch.

Foto: Maria Zimmermann

Sommerfeld und BIB unterstützen BDS nicht. Wir halten aber den Antisemitismus-vorwurf gegen BDS für absurd; jedenfalls höhlt er die Meinungsfreiheit aus.

Genau dieser Standpunkt zu BDS wurde nun endlich in einem überregionalen Medium klar und deutlich formuliert. Die aktuelle Ausgabe des Freitag (02/18) lässt die Geschäftsführerin der Jewish Voice for Peace (USA; sie unterstützt BDS) über das israelische Einreiseverbot gegen sie berichten, und druckt einen klugen, differenzierten Essay von Alexandra Senfft unter dem Titel „Verwirrung der Begriffe“, den wir sehr empfehlen (leider noch nicht online zugänglich).

Gegen das Raumverbot prüfen wir juristische Schritte.

BIB Aktuell #1: Todesstrafe für „Terroristen“?

Israelisches Parlament stimmt Gesetzentwurf in erster Lesung zu

Wegen Mordes verurteilte „Terroristen“ sollen künftig zum Tode verurteilt werden können, wenn die Richter eines Militärgerichts oder eines Strafgerichts mit Mehrheit zustimmen. Bisher ist ein einstimmiger Beschluss notwendig.

Ha’aretz berichtet über die Kritik der EU, die Todesstrafe sei mit der Menschenwürde unvereinbar, sowie über die Warnung des israelischen Inlandsgeheimdienstes Shin Bet, der Geiselnahmen von Juden befürchtet, um verurteilte Terroristen freizupressen.
Mehr Infos finden Sie bei n-tv und bei der ZEIT.

Screenshot_ZeitQuelle: zeit.de

Sondernewsletter: FREIHEIT FÜR AHED TAMIMI

Heute möchten wir Sie dringend bitten, sich an der Petition FREE AHED TAMIMI zu beteiligen. Sie können auch einen Text mit diesem Link an Außenminister Gabriel schicken. Setzen Sie Ihre Unterschrift mit einem Klick dafür ein, dass das 16-jährige Mädchen Ahed Tamimi aus der israelischen Militärhaft entlassen wird, ebenso wie ihre Mutter und ihre Cousine. Deutschland darf zu solchen Menschenrechtsverletzungen unseres Partners Israel nicht schweigen! In israelischen Militärgefängnissen sitzen derzeit über 500 palästinensische Minderjährige in Haft.


Weiterführende Links

Doppelte Standards: Kommentar von Noa Osterreicher in Ha’aretz (deutsche Übersetzung)
Gideon Levy in Haa’retz: Was, wenn Ahed Tamimi Eure Tochter wäre? (engl. Fassung)
Gideon Levy in Ha’aretz: Die Geschichte hinter der Ohrfeige (engl. Fassung)


Ha’aretz Video über die Verhaftung von Ahed Tamimi


Ahed Tamimi stellt sich als 12-Jährige vor israelische Soldaten

BIB Thema der Woche #50: 50 Jahre Besatzung – Ende in Sicht?

Ein Jahr lang haben wir jeden Montag das ‚BIB Thema der Woche‘ (TdW) in Form eines Blogs veröffentlicht; jede Woche haben wir einen anderen Aspekt der Besatzung beleuchtet, haben relevante Inhalte verlinkt und Menschen zu Wort kommen lassen, die zum jeweiligen Thema ihre Erfahrungen mit der israelischen Besatzung gemacht haben.


Sicherlich gibt es noch Aspekte, die unbeachtet geblieben sind. Dennoch meinen wir, dass all die TdW deutlich machen konnten: Die israelische Besatzung des Westjordanlands und Ost-Jerusalems und die Absperrung Gazas von der Welt sind inhuman, brutal, menschenverachtend, auf Landbesitz aus auf Kosten der Menschen, die dort leben und denen das Land gehört, bricht mannigfach Menschen- und Völkerrecht, führt zu immer mehr Gewalt und hält seit 50 Jahren ein ganzes Volk kollektiv unter Bestrafung. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Dieser Zustand muss beendet werden.


Mit diesem letzten TdW möchten wir uns von diesem Format verabschieden und werden ab kommender Woche mit dem neuen Format BIB Aktuell kurze, aktuelle Informationen publizieren und hin und wieder zu Aktionen aufrufen, wie etwa die noch laufende Petition zur Anerkennung Palästinas (HIER können Sie noch unterschreiben und weiter leiten!). Die gesammelten TdW werden im Frühjahr in Form eines e-Books erhältlich sein. Wenn Sie uns hierzu noch Kommentare oder Anregungen schicken möchten, freuen wir uns sehr!


Für 2018 hat BIB sich eine Menge vorgenommen. Jetzt schon möchten wir Sie auf unsere BIB Konferenz aufmerksam machen, die vom 25.-27. Mai 2018 in Heidelberg stattfinden wird. Es wird um die Zukunft Palästinas und die Rolle Deutschlands gehen; wir haben hochkarätige Referent*innen eingeladen und werden mit persönlichen Reiseberichten und einem Kulturprogramm einen besonderen Rahmen schaffen. HIER finden Sie das Programm, ab Mitte Januar können Sie sich zur Teilnahme an der Konferenz anmelden; Details folgen.

Außerdem werden wir weitere Veranstaltungen anbieten, u.a. auch wieder eine Reise nach Palästina und Israel für Meinungsbildner. Wenn Sie Journalist*in, Medienmacher*in, (Politik-)Student*in oder Politiker*in sind und Interesse an einer außergewöhnlichen Studienreise haben, dann schreiben Sie uns und sichern Sie sich jetzt schon einen Platz.


Wenn man sich große Ziele gesteckt und viel vorhat, dann braucht man jede Menge Partner. Die Beendigung der Besatzung ist ein riesiges Ziel und sie wird nicht von heute auf morgen passieren, auch wenn das schon gestern überfällig gewesen wäre. Umso wichtiger ist es, dass wir alle, die wir für eine friedliche und gerechte Lösung für Palästinenser und Israelis kämpfen, solidarisch zusammen stehen, auch wenn wir nicht immer zu allen Themen der selben Meinung sind.

Das sind wir BIBler auch nicht immer. Aber wir machen aus unseren Visionen konkrete Maßnahmen. So haben wir im vergangenen Jahr regelmäßig das TdW publiziert, haben jede Menge Vorträge gehalten, Leserbriefe geschrieben, Kampagnen lanciert, hatten einige mediale Präsenz, haben eine Reise durchgeführt und ein Konzert veranstaltet und viele, viele Gespräche geführt. Jetzt planen wir schon wieder Neues – dafür brauchen wir Sie!

Wenn Sie bis hierhin gelesen haben, dann zeigen Sie Ihr Interesse an unserem Thema. Sie investieren Ihre Zeit; das ist gut und wichtig; lassen Sie auch andere daran teilhaben und leiten Sie diese Infos mit diesem Link weiter! Wir möchten Sie aber zu noch mehr ermutigen: Investieren Sie auch Ihr Geld! Fragen Sie sich: Wie viel ist es mir wert, dass die Leute hinter BIB diese Arbeit machen, die ich aus verschiedenen Gründen nicht selber machen kann? Ist mir das 100 € im Jahr wert, vielleicht sogar mehr? Oder will ich zum Jahresanfang einmalig eine Summe in BIB investieren?

Uns ist jede Förderung willkommen, denn konkrete Maßnahmen kosten Geld. Und mit mehr Geld kann man mehr bewirken. Übrigens ist Ihre Spende steuerlich absetzbar, weil BIB e.V. ein gemeinnütziger Verein ist.

Auf unserer Website www.bib-jetzt.de können Sie einmalig spenden, indem Sie
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DANKE für Ihre Unterstützung, Ihre Solidarität und Ihr Interesse! Wir wünschen Ihnen einen großartigen Neubeginn in 2018 und uns allen gemeinsam ein friedlicheres Neues Jahr!

Ihre BIB Redaktion