BIB Aktuell #21: BIB-Konferenz, Mord und Narreteien

FU Berlin: Noch gilt Meinungsfreiheit

Mehr als zweihundert Menschen nahmen am 25.-27. Mai an unserer Konferenz in Heidelberg teil. Das Programm der Tagung finden Sie auf unserem Online-Flyer.
Über die Podiumsdiskussion am 27. Mai berichtete ausführlich die Rhein-Neckar-Zeitungund eine Besprechung des ganzen Tagungsverlaufs von Abraham Melzer (mit interessanter Diskussion) findet sich hier.

Wir wollen die Vortragstexte oder Zusammenfassungen baldmöglichst online stellen, aber dies wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

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Vortrag während der BIB-Konferenz mit vollbesetztem Zuschauerraum (Foto: privat)


Am Freitag dieser Woche brachten israelische Scharfschützen bei den Demonstrationen gegen das Eingesperrtsein im Gazastreifen wieder einen Menschen um: Sie erschossen die 21-jährige Rettungssanitäterin Razan al-Najjar, wahrscheinlich durch Schuss in die
Brust, kurz nachdem sie sich um einen Verletzten gekümmert hatte. Es ist entsetzlich. Die Mörder müssen vor Gericht gestellt werden. Dafür setzt sich u.a. medico international ein – und stößt auf Granit, wie hier eindrücklich beschrieben wird.

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Die 21jährige Razan al-Najjar in der weißen Medizinuniform, in der sie am 1.6. von israelischen Scharfschützen erschossen wurde. (Foto: medico)

 

Ohne sich über solche entsetzlichen Verbrechen den Kopf zu zerbrechen, gehen Leute, die sich für Freunde Israels halten, weiter ihren Narreteien nach. Die neuste Verrücktheit entzündete sich an Prof. Susan Slyomovics, die nächsten Mittwoch einen Vortrag an der FU Berlin hält. Sie ist Lehrstuhlinhaberin am Institut für Anthropologie der Universität von Kalifornien in Los Angeles. In ihrem Vortrag wird sie die Motive diskutieren, aus denen heraus ihre jüdische Mutter und Großmutter deutsche Wiedergutmachungszahlungen ablehnten. Diese Zahlungen wird sie mit Reparationszahlungen vergleichen, die Frankreich im Kontext seiner algerischen Kolonialpolitik speziell an algerische Juden zahlte. Schließlich wird sie versuchen, daraus Lehren zu ziehen, welche Rolle bei einer Beilegung des Israel/Palästina-Konflikts Reparationszahlungen an Palästinenser spielen können. 

Das verspricht, ein interessanter Vortrag in liberal-humanistischem Geist zu werden, auf dem Boden der jüdischen Familientradition der Referentin. Ganz anders sehen das jedoch die „Hochschulgruppe gegen jeden Antisemitismus Berlin“ mit vier weiteren Gruppen, die „Jüdisch“ oder „israelisch“ in ihrem Namen führen. Sie legten Prof. Paul Nolte (FU Berlin) in einem Brief vom 29. Mai nahe, diesen Vortrag abzusagen. Denn die Referentin bzw. ihr Vortrag sei antisemitisch, aus drei Gründen: Prof. Slyomovics unterstütze BDS (Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen Israel), ihr Vergleich jüdischer Überlebender mit arabischen Vertriebenen sei unstatthaft, und die bloße Nähe des Wortes Kolonialismus zum Israel/Palästina-Konflikt sei antisemitisch. 

Hier sollte also mal wieder im Namen der Antisemitismusbekämpfung Nachdenken über Geschichte und Politik und liberale, humanistische Meinungsäußerungen verboten werden. Jedoch sicherte der Adressat des Briefs, Prof. Nolte, Prof. Slyomovics zu, dass die FU sich der akademischen Freiheit verpflichtet fühle und daher wünsche, dass sie den Vortrag wie geplant halte. 

In der Tat: Da viele jüdische Intellektuelle in den USA BDS unterstützen, werden die geliebt-gewohnten akademischen jüdischen Partner aus den USA an deutschen Universitäten bald rar werden, wenn in Deutschland ein Redeverbot gegen BDS-Unterstützer erlassen werden sollte. 

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